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Die Zweite Republik


Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Lorenz Karall, der Kroate war, zum Landeshauptmann gewählt. Er führte diese Funktion von 1946 bis 1956 aus, hat aber für die kroatische Volksgruppe nichts Wesentliches erreicht.

Da das Burgenland nach dem Zweiten Weltkrieg zur sowjetischen Besatzungszone gehörte, erfolgten in diesem Gebiet nahezu keine wirtschaftlichen Investitionen. Der Eiserne Vorhang machte vorerst jegliche wirtschaftliche Zusammenarbeit mit den osteuropäischen Ländern unmöglich und das Burgenland wurde zum wirtschaftlichen Krisengebiet. Zahlreiche Burgenländische Kroaten suchten Arbeit im Wiener und Grazer Raum.

Im Jahre 1955 wurde der Österreichische Staatsvertrag unterzeichnet, der im Artikel 7 die wichtigsten Volksgruppenschutzbestimmungen für die Burgenländischen Kroaten beinhaltet. Im selben Jahr richtete der Kroatische Kulturverein / Hrvatsko kulturno društvo an die Österreichische Bundesregierung eine Denkschrift bezüglich der konkreten Erfüllung des Artikel 7. Wesentliche Teile dieser Staatsvertragsbestimmungen blieben jedoch bis heute unerfüllt.

Im Jahre 1976 wurde im österreichischen Parlament das Volksgruppengesetz beschlossen, welches die Bestimmungen des Artikel 7 äußerst restriktiv auslegt (s. dazu Volksgruppenrechte).

Mitte der 70er Jahre setzte sich bei den Burgenländischen Kroaten ein stärkeres Selbstbewußtsein durch und man verwarf die Politik des Abwartens und forderte die zugesprochenen Volksgruppenrechte vehement ein. Dadurch konnte man auch erste Erfolge verzeichnen. 1979 wurden kroatische Hörfunksendungen eingeführt und zehn Jahre später, 1989 wurden erstmals kroatische TV-Sendungen ausgestrahlt. Im Kindergartengesetz aus dem Jahre 1989 wurde erstmals die kroatische Erziehungssprache, wenn auch in geringem Maße, berücksichtigt. Im September 1992 wurde das Volksgruppengymnasium in Oberwart/Borta eröffnet. Eine Chance stellt auch die Demokratisierung der Republik Kroatien dar. Während die Burgenländischen Kroaten mit den einst kommunistischen Machthabern in Kroatien bzw. Jugoslawien wenig Kontakt hatten, hofft man jetzt auf verstärkte wirtschaftliche und kulturelle Zusammenarbeit mit der Republik Kroatien.